Plattenbau

  • Zur Geschichte des Plattenbaus vor und während der DDR

    Die Idee war simpel. Betonfertigteile bilden das Grundgerüst eines vereinheitlichten Wohnungsplattenbaus für sogenannte Großwohnsiedlungen. Dabei wurden Deckenplatten und Wände aus Beton als fertige Elemente vorproduziert und auf der Baustelle nur noch zusammengesetzt. Fertig war das Haus.

    Und wer hat´s erfunden? Zunächst dachte ich hierbei schnell an die DDR-Planungsbauer der 50er, 60er und 70er Jahre. Selbst groß geworden in einer Platte in Erfurt, die inzwischen entsorgt und im Straßenbau endete, lag der Verdacht doch sehr nahe. Aber weit gefehlt. Die Grundidee des Hausbaus mit Plattenbautechnik entstand bereits in den 2oer Jahren des letzten Jahrhunderts. Wegweisend hierfür waren die Ideen von Le Corbusier, einem schweizerisch-französischen Architekten.

    Seinen Ideen von 1925 folgend, entstanden in verschiedenen Regionen der Welt nach dem 2. Weltkrieg die „Unité d’Habitation“, Wohneinheiten durch modernen Plattenbau. Um den Wohnungsmangel nach dem Krieg zu lindern, wurden in verschiedenen französischen Orten und in Berlin verschiedene Wohnungsprojekte mit Hilfe dieser Technik errichtet.

    Das Bild, welches ich und viele andere allerdings kennen, ist die typische DDR-Plattenbauwohnung. Ab 1972 kam dieser Neubautyp zu Glanz und Gloria. Er war für den sozialistischen Staat die Lösung aller Wohnungsprobleme.

    Wir selbst zogen damals (Anfang der 80er Jahre) in einen sogenannten Y-Block, d.h. diese Wohnungseinheit bestand aus 4 ypsilonartig angeordneten Häusern  mit jeweils ca. 110 Wohnungen. Insgesamt hatte man hier also etwa 440 Wohnungen unterschiedlicher Größe auf einer Baufläche von rund 2600 m2. Warm, sauber und trocken (meistens…) sowie bezahlbar waren sie damals ein Traum vieler Menschen. Raus aus den dunklen, kleinen und zunehmend verfallenden Altbauwohnungen mit ihren dreckigen Kohleheizungen und im Winter zugefrorenen Wasserrohren. Im Neubau hatte man wenigstens eine durch Fernwärme versorgte Wohnung mit fliessendem Wasser auch in der kalten Jahreszeit. Es enstanden viele neue Wohnungsflächen in den 70er und 80er Jahren in der DDR. Kombiniert mit Schulen, Einkaufshallen, Sport- und Freizeitmöglichkeiten sowie Arzthäusern (Polikliniken) bildeten sie oft ganz neue Stadtteile mit bis zu 100.000 Einwohnern.

    Der schnelle und billige Plattenbau hatte allerdings auch seine kleinen sowie größeren Macken. Auf Dämmung der Wände, Türen und Fenster wurde quasi kein Wert gelegt. Der Heizungsverbrauch wurde ja netterweise auch pauschal abgerechnet. Also war es einem egal, wenn die heiße Luft von innen die Balkonkästen heizte. Wenn es stark regnete konnte man sich nur noch mit Handtüchern und Eimern unter den Fenstern retten. (Wir hatten ein Wohnzimmer zur Westseite und keinen Balkon davor…) Mit zunehmendem Alter der „Neubau“-Wohnungen kam auch der eine oder andere Rohrbruch dazu. Besonders witzig fand ich es dabei immer, wenn ich einem rauschendem Geräusch folgend die Holzklappe im Bad über dem Waschbecken öffnete. Duschen brauchte ich dann meistens nicht mehr. Aber man nahm es mit einem Augenzwinkern. Der Hausmeister machte eine Schelle um die marode Stelle und man wartete auf das nächste berstende Loch im Wasserrohr.

    Heute

    Inzwischen ist dieser Ypsilon-Block  in Erfurt einer blumig blühenden Grasfläche gewichen. Nichts erinnert mehr an die hunderten Wohnungen und ihre Menschen, die darin über 20 Jahre lang lebten.

    Heute erfolgt vielerorts ein Rück- oder Umbau der Platte im Osten Deutschlands. Ziel ist es hierbei, die Attraktivität des Wohnumfeldes zu verbessern und Leerstand zu vermeiden. Mancherorts gelingt das auch sehr gut.

    An dieser Stelle veröffentliche ich ein paar Bilder eines anderen Plattenbaus, einem sogenannten Punkthochhaus. Es steht nur ca. 300m von meinem alten Zuhause entfernt. Inzwischen erobert sich die Natur ihren Raum zurück, Vögel sind eingezogen und die ein oder andere Pflanze fühlt sich auch schon heimisch. Abgerissen wurde dieser Plattenbau bisher (noch) nicht.